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Event Review


Erster deutschen Beyond Budgeting Summit, 
8.-10. Juni 2005 in Frankfurt/Main

organisiert, geleitet und moderiert und von Jürgen H. Daum 
in Zusammenarbeit mit dem Beyond Budgeting Round Table (BBRT)
und WSF Wirtschaftsseminare/ FAZ-Institut 

Agenda und Referentenliste

 

Die Beyond Budgeting Bewegung hat vor etwas über drei Jahren auch die deutschsprachigen Länder erreicht und das Konzept wird seit dem in Fachkreisen intensiv diskutiert. Inzwischen ist der Druck in den Unternehmen, die über Jahre und Jahrzehnte ungeordnet gewachsenen Führungs- und Steuerungssystemen einer grundlegenden Neuordnung zu unterziehen, weiter gewachsen. Bei der Neugestaltung kann das Beyond Budgeting Management Modell sehr gut als Impuls- und Ideengeber fungieren. Die Erfahrung zeigt, dass gerade am Anfang die genauere Betrachtung und Diskussion von Beyond Budgeting Fallbeispielen, die nach landläufiger Meinung aus dem Rahmen fallen, da sie ganz oder weitgehend ohne Budgets arbeiten, sehr wertvoll ist. Man bekommt damit nicht nur den Kopf für Neues frei, sondern man hinterfragt meist auch erstmalig kritisch, systematisch und aus einer gewissen Distanz die Controlling-Verfahren und Management-Konzepte, die im eigenen Unternehmen seit Jahren und Jahrzehnten angewandt wurden. Beim ersten deutschen Beyond Budgeting Summit stellten eine Reihe der Beyond Budgeting Pioniere ihren Ansatz vor. Ergänzt wurde dies durch Vorträge bekannter Beyond Budgeting Experten aus der Wissenschaft und Beratung und durch Vorträge von Unternehmen, die sich bei der Neugestaltung ihrer Planungs-, Steuerungs- und Führungssysteme vom Beyond Budgeting Management-Modell inspieren ließen.

Dass es auch ohne feste Budgets geht, zeigen  Unternehmen wie die deutsche Aldi-Gruppe, der englische Handelskonzern Boots, die dänische Petrochemiegruppe Borealis und Svenska Handelsbanken, eine schwedische Bank, die seit nun über dreißig Jahren sehr erfolgreich ohne Budgets managt. 

Der in Großbritannien 1998 gegründete Beyond Budgeting Round Table (www.bbrt.org) hat sich dieses Themas angenommen und systematisch mehr als 30 Unternehmen analysiert, die ohne Budget bzw. ohne feste Jahresbudgets steuern und führen. Daraus entstanden ist das Beyond Budgeting Management Modell, das die Restriktionen der traditionellen budgetbasierten Steuerung und Führung überwinden will (im Bild rechts: Robin Fraser, BBRT)

Die Beyond Budgeting Bewegung hat vor etwas über drei Jahren auch die deutschsprachigen Länder erreicht und das Konzept wird seit dem in Fachkreisen intensiv diskutiert. Auch haben sich mittlerweile eine Reihe von Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Neugestaltung ihrer Planungs- und Steuerungssysteme vom Beyond Budgeting Management Modell des britischen Beyond Budgeting Round Table (BBRT) inspirieren lassen. 

 

 

 

 

 

 

Denn viele CEOs, CFOs, Controller und Business-Manager beklagen sich heute über zu komplexe Unternehmensteuerungssystem, die über die Jahre durch Hinzufügen immer neuer Tools zu unhandlichen und unflexiblen Systemen gewachsen sind. So ist auch deren Wunsch zu verstehen, das Unternehmenssteuerungssystem grundlegend neu zu gestalten. Die Experten der Hackett Group kommen in ihrer kürzlich veröffentlichten Europäischen 2005 Studie "Planning on the Move" zum Schluss, dass inzwischen eine klare Mehrheit (79% der befragten Unternehmen) den Budgetprozess einem Reengineering unterworfen hat. Dies war jedoch oft erst der "erste Wurf". Das Thema bleibt auf der Tagesordnung und ein noch größerer Anteil der Unternehmen plant bis 2007 bereits die nächste Reengineering-Phase (Näheres zur Hackett-Studie unter http://www.answerthink.de/deutsch/05_news/04_press/pr_05052005_01.html)

Und hier kann das Beyond Budgeting Management Modell in der Tat sehr gut als Impuls- und Ideengeber fungieren. Die Erfahrung zeigt, dass gerade am Anfang derartiger Reengineering-Projekte die genauere Betrachtung und Diskussion von Beyond Budgeting Fallbeispielen, die nach landläufiger Meinung aus dem Rahmen fallen, da sie ganz oder weitgehend ohne Budgets arbeiten, sehr wertvoll ist. Man bekommt damit nicht nur den Kopf für Neues frei, sondern man hinterfragt meist auch erstmalig kritisch, systematisch und aus einer gewissen Distanz die Verfahren und Konzepte, die im eigenen Unternehmen seit Jahren und Jahrzehnten angewandt wurden und versucht sich vor allem über deren Zweck (wieder) klar zu werden.

Die eine Lösung gibt es dabei jedoch nicht. Das Beyond Budgeting Management Modell (s. dazu die Erläuterungen am Ende des E-Mails) nennt einige Konzepte, wie zum Beispiel die Vereinbarung relativer statt absoluter Ziele, die als Anregung beim Design des eigenen neuen Steuerungssystems dienen können. Ob das dann so tatsächlich passt und die Zeit schon reif und die Belegschaft sowie die Manager dafür bereit sind, muss individuell entschieden werden. Jedes Unternehmen muss seinen "Appetit" und seine Möglichkeiten für ein "Beyond Budgeting" realistisch einschätzen, bevor man den eigenen Fahrplan definiert und mit der pragmatisch orientierten Umsetzung beginnt.

 

Beim ersten deutschsprachigen Beyond Budgeting Summit vom 8. bis 10. Juni 2005 in Frankfurt am Main wurden diese Themen anhand zahlreicher Unternehmensfallbeispiele vorgestellt und diskutiert und "Beyond Budgeting" einer praxisorientierten Bestandsaufnahme unterzogen.

Es wurden eine ganze Reihe namhafter Experten als Referenten gewonnen, die das Thema Beyond

 

Der erste Kongresstag war in erster Linie den Beyond Budgeting Pionieren gewidmet und Stand unter dem Motto „Beyond Budgeting verstehen“. Am zweiten Tag kamen Vertreter der Unternehmen zu Wort, die ihre Unternehmenssteuerungs- und Planungssysteme einer Neugestaltung unterzogen haben und sich dabei der Anregungen des Beyond Budgeting Ansatzes bedienen. Hier lautete das Motto „Beyond Budgeting umsetzen“. Beim optionalen Workshop am dritten Tag wurde die Möglichkeit, auf Basis eines praktischen Unternehmensfalles, in Kleingruppen, die Bausteine für ein Controlling Beyond Budgeting zu entwickeln. Sowohl Kongress als auch Workshop wurden von Jürgen H. Daum (s. Bild oben) konzipiert und geleitet.   

 

 


Die Vorträge – Key Notes Tag 1 (8. Juni 2005)

 

Einführung von Jürgen H. Daum:

Worum geht es beim Thema Beyond Budgeting? Um das Abschaffen des Budgets? Um das Reegineering, also die Verbesserung der Budgetplanung?

Fragt man Vertreter von Beyond Budgeting Pionieren wie Svenska Handelsbanken, erhält man die Antwort, dass es dem Management seinerzeit, beim Abschaffen des Budgets, gar nicht um das Budget selbst ging. In erster Linie ging es um das Schaffen einer neuen Organisation, die besser in der Lage ist, Kunden zufrieden zu stellen, an das Unternehmen zu binden und gleichzeitig wirtschaftlicher zu arbeiten. Das Abschaffen des Budgets war nur sekundär: es stand der neuen Führungsphilosophie im Wege und musste deshalb ersetzt werden. Das eigentliche Ziel war die Transformation der gesamten Organisation.

 

Andererseits geben die Vertreter des evolutionären Ansatzes („Better Budgeting“, „Advanced Budgeting“) zu bedenken, dass die meisten Unternehmen zu einem so radialen Schritt , wie es die Vertreter des Transformations-Ansatzes fordern, nicht in der Lage sind,

Jürgen Daum stellt dann zum Abschluß seiner Einführung zwei Fragen zur Diskussion, die in der Podiumsdiskussion später wieder aufgegriffen werden sollen:

-          Geht es beim Thema Beyond Budgeting wirklich um die Frage: Budget ja oder nein?

-          Welches ist der geeignetere Ansatz: Transformation oder Evolution?  (und: kann man Führung und Steuerung überhaupt trennen?)

Den Einführungsvortrag von Jürgen H. Daum finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/Daum_intro_Tag1.pdf

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„Handelsbanken Beyond Budgeting: How to prosper for 35 years without budgets – Vortrag von Lennart Francke, CFO, Svenska Handelsbanken, Stockholm:

 

Das Unternehmensziel von Handelsbanken lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Eine höhere Eigenkapitalrendite zu erzielen als der Durchschnitt der relevanten Wettbewerber. Dies wird erreicht indem man einen besseren Service für die Kunden bietet als andere Banken und durch niedrigere Kosten. Und in der Tat ist es Handelsbanken über die letzten 35 Jahre gelungen jedes Jahr besser als die Wettbewerber abzuschneiden: Handelsbanken gilt heute als die kosteneffizienteste Universalbank in Europa und erreicht gleichzeitig die höchste Kundenzufriedenheit im Vergleich mit den Wettbewerbern. Erreicht wird dies durch eine Organisation, die sich an der „human nature“, also and den Menschen – seien es Mitarbeiter oder Kunden – orientiert.

Das Budget wurde, wie bereits erwähnt, bereits 1970 abgeschafft, da es sich mit einer wirklich dezentralen Organisation nicht verträgt (führt zu zentralistischer Steuerung). „The Essence of Handelsbanken“ beschrieb Lennart Francke mit folgenden Schlagworten:

-          Focus on the customer

-          Decentralisation

-          Focus on profitability – not on volumes

-          We grow our own leaders

-          Think for yourself! (als Motto für jeden im Unternehmen)

-          Profit Sharing

Und wie erfolgt das Controlling bei Handelsbanken?

In einer dezentralen Bank-Organisation spielt ein starkes zentrales financial control system und ein zentrales Risk-Management System eine entscheidende Rolle – so Lennart Francke. Ein zentrales Accounting und Management Informations System sorgt für die nötige Transparenz. Damit wird dann monatlich ein intensives Benchmarking zwischen allen Bankfilialen durchgeführt (mittels sogenannter „Legue-Tables“). Ergänzt wird dies durch ein externes Benchmarking auf Gesamtbankebene. Dies ist auch das Mittel zur Kostenkontrolle der zentralen Support-Bereiche: diese dürfen nur solche Kosten weiterberechnen, die am freien Markt zu bezahlen wären und müssen damit ihre eigenen Kosten decken. Bei Handelsbanken gibt es aber keine absoluten Ziele – sondern immer nur relative, die sich am Benchmark des Wettbewerbs orientieren. Und es gibt keinen zentralen, für alle verbindlichen Plan und schon gar kein zentrales Budget.  Die Controlling-Philosophie lässt sich also zusammenfassen mit:

Einfache (relative) Ziele

Eine hohe Transparenz bei den Ist-Zahlen (bis ins Detail der Filialen – für alle zugänglich)

Keine konsolidierten Gesamtpläne

Vorraussetzung: Vertrauen in die dezentrale Organisation und in die Mitarbeiter/Führungskräfte ist vom Management gefordert.

Den Vortrag von Lennart Francke finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/Francke.pdf

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Beyond Budgeting – towards the ‚adaptive’ organization:  A management model for the 21st century and how to implement it – Vortrag von Robin Fraser, BBRT

 

Robin Fraser outete sich gleich zu Beginn seines Vortrags als Vertreter und Anhänger des Transformations-Ansatzes.

Seine Motivation (und die des BBRT) sich mit dem Thema Beyond Budgeting und mit der Entwicklung eines alternativen Management Modells „Beyond Budgeting“ zu beschäftigen hat ihren Ursprung in der Erkenntnis, dass das traditionelle General Management Modell (und das Budget und die Budgetplanung ist ein Instruement des traditionellen Ansatzes) nicht mehr zu den Anforderungen passt, denen Unternehmen heute ausgesetzt sind. Ja, es steht sogar damit in Konflikt. Seine Kernaussage war, dass es deshalb nicht genügt nur beim Budget anzusetzen, man benötigt vielmehr einen systemischen Ansatz der alle Aspekte eines Management-Modells adressiert. Erforderlich ist deshalb ein umfassender Transformationsprozess, um Unternehmen für den globalen Wettbewerb von heute fit zu machen. Dies ist der Ansatz des BBRT: ein Management-Modell das auf den Prinzipien „dezentrale Entscheidungsprozesse“ und „Adaptivität“ beruht. Und dass Unternehmen, die diese Prinzipien beherzigen sehr gut fahren, zeigen Beispiele wie Svenska Handelsbanken, ALDI, Toyota u.a.. Allen diesen Beisielen ist gemein, dass diese Unternehmen in der Lage sind, sowhl die Mitarbeiter, als auch Kunden und Shareholder zufrieden zu stellen.

Aber der Weg dahin ist ein „Major Change“ – wie Robin Fraser es ausdrückte. Das Entscheidende ist, sich vom „central control model“ zu verabschieden. Und das bedeutet viele Dinge gleichzeitig zu verändern, da der alte Management-Ansatz, der eben auf „central conrol“ basiert, in viele Teilbereiche hineinreicht und, wenn nicht alle adressiert werden, immer wieder das Unternehmen auf den alten Management-Ansatz zurück wirft. Verändert werden muß die Organisation, die Unternehmens- und Mangementkultur, das Incentive-System, das Performance Mangement system etc..

Da aber nicht alles auf einmal umgesetzt werden kann, schlägt Robin Fraser ein Lösung vor, die er wie folgt beschreibt:

„We need a ‘giant leap’ vision … and a step-by-step ‘journey’ towards the full implementation by the shortest route.” Robin Fraser erläutert dann diesen Ansatz anhand eines Fallbeispieles – eines italienischen Unternehmens das er gerade bei der Umsetzung und Andwenung dieses Konzeptes als Berater unterstüzt.

Den Vortrag von Robin Fraser finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/Robin_Fraser.pdf

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Better Budgeting – Beyond Budgeting? – Die Notwendigkeit der Neugestaltung der Unternehmensplanung und –steuerung – Vortrag von Prof. Dr. Péter Horváth

"Hat die Budgetierung noch Zukunft" fragte Prof. Dr. Péter Horváth bereits in seinem Artikel, der im Vorfeld des Beyond Budgeting Summit in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 23.05.2005 erschienen war (siehe http://www.kraus-und-partner.de/knowledgebase/faz-artikelFD120050523182894.html). Und er beantwortete die Frage sowohl in seinem Artikel als auch in seinem Vortrag: „Die traditionelle Budgetierung, wie so vor bald 100 Jahren entwickelt worden ist, hat keine Zukunft mehr. Denn die situativen Bedingungen der Unternehmen haben sich grundlegend verändert.“

Er definierte „Budget wie folgt“: Ein Budget ist eine wertmäßige Zielplanung, im angelsächsischen auch „Profit Planning“ genannt. Es erfüllt drei wesentliche Funktion im Rahmen der erfolgsorientierten Unternehmenssteuerung:

-          Motivationsfunktion

-          Koordinationsfunktion

-          Orientierungsfunktion

Das Problem mit dem Budget ist einmal ein Effizienzproblem (Dauer der Planung, Detailierungsgrad etc.), aber auch ein Effektivitätsproblem (werden die richtigen Dinge geplant – von der Strategie her?).

Soll das Budget, das nicht mehr trägt, abgelöst werden, muß ein alternatives Steuerungssystem diese Funktionen auf andere Weise erfüllen.

Prof. Horváth erklärt sich dann als Anhänger des evolutionären Ansatzes. Eine umfassende Transformation ist nicht für jedes Unternehmen möglich und man muß die Unternehmen (und deren Manager und Controller) da „abholen“, wo sie heute stehen. Ein Controllingsystem muss sich zudem am konkreten Markt- und Wettbewerbsumfeld und der gelebten Organisation ausrichten. In den seltesten Fällen gibt es die Freiheit, auf der grünen Wiese zu beginnen. Erst auf dieser Basis kann ein unternehmensspezifischer Evolutionspfad entwickelt  und definiert werden, welche Stellschrauben es gibt, deren Veränderung zu einer effektiveren und effizienteren Planung und Steuerung führen.

Beim Reengineering des Planungs- und Steuerungssystems geht es heute in der Regel um vier Aktionsfelder:

-          Integration (der Planungsebenen, zwischen Finanz- und Business Planung)

-          Zielfokussierung (ausgerichtet auf die strategischen Ziele)

-          Komplexitätsreduktion (Reduktion der beplanten Objekte/Konten, aggregierte Top-Down Budgets)

-          Kontinuität (rollierende Planung)

Prof. Horváth stellte dann das von Horváth & Partners entwickelte Konzept „Advanced Budgeting“ vor. Er nennt folgende Vorteile der Anwendung von Advanced Budgeting: Eine effizientere Planung, die schnellere Reaktion auf Umfeldveränderungen, eine verbesserte Strategieumsetzung, eine verbesserte Akzeptanz und Motivation für Planung im Unternehmen und die verbesserte Zukunftsorientierung.

Das Fazit seines Vortrages lautet: Die traditionelle Budgetierung hat keine Zukunft mehr, aber die Funnktionen, die das trad. Budget erfüllt hat, müssen weiterhin realisiert werden. Die Umsetzung bzw. der Weg zu einem verbesserten Steuerungssystem „Advanced Budgeting“ muß jedoch kontextbezogen und im Rahmen eines Evolutionsprozesses (und nicht durch eine Revolution) erfolgen. Am Ende des Evolutionspfades steht dann „Beyond Budgeting“.

Den Vortrag von Prof. Dr. Péter Horváth finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/Horvath.pdf

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Die Vorträge – Parallel Fachforen Tag 1 (8. Juni 2005)

 

Forum 1: Flexible Zielorientierte Unternehmenssteuerung bei Borealis – Vortrag von Dr. Rainer Gunz, Borealis, Wien, jetzt: OMV AG, Wien

1995 hatte Borealis, kurz nach dem Entstehen des Unternehmens aus der Fusion der Petrochemiesparten der finnischen Neste und der norwegischen Statoil, beschlossen, die traditionelle Budgeteplanung abzuschaffen. Denn diese war für die volatile Petrochemie viel zu starr (man machte die Erfahrung, dass das erste Budget des neuen Unternehmens bereits nach wenigen Wochen im neuen Jahr von der Realität überholt worden war). Man hat dann beschlossen, das Budget durch geeignetere Instrumente für die interne Steuerung zu ersetzen.

Dazu hat man sich zunächst gefragt, wofür das Budget eingesetzt wurde: nämlich für die Zielvereinbarung und für das Performance-Management, zur Kostenplanung und für das Cost Management, für das Forecasting, für das Investment-Management, als Basis für das Anreizsystem etc.. Und man hat schnell festgestellt, dass diese Ziele teilweise im Widerspruch miteinander stehen.

So will man im Forecasting möglichst wirklichkeitsgetreu und genau sein. Bei der Zielvereinbarung ist aber Ambition gefragt – „Stretched-Targets“ sind erwünscht, aber beim Cost Management möchte man natürlich mit möglichst niedrigen Werten herauskommen. Die Konsequenz für Borealis war, für jedes dieser Felder separate Instrumente und Prozesse zu schaffen. So hat man beispielsweise den Rolling Financial Forecast bewusst vom Performance Management getrennt, um die „Politisierung“ und damit die Gefahr, manipulierte Forecasts zu erhalten, zu umgehen. Und die Forecasts werden nun, mit relative geringem Aufwand auf Basis eines Modells erstellt, bei dem nur wenige relavante Variablen als Input dienen. Die Werte dieser Variablen (z.B. Entwicklung des Preispriums je Produktfamilie, Währungskurzentwicklungen etc.) werden direkt bei den jeweiligen Experten abgefragt. Eine Freigabe der Forecasts durch die Linienverantwortlichen erfolgt nicht. Man hat damit die Erfahrung gemacht, dass die Forecasts wesentlich schneller vorliegen, genauer sind und so keiner „politischen“ Manipulation unterliegen (da der Forecasting-Prozess ja konsequent vom Performance Management getrennt wurde). Weitere Elemente – neben dem Performance Managment auf Basis der Balanced Scorecard, besteht das Borealis Steuerungssystem aus einem rollierenden Investment-Management-Prozess der es erlaubt, auch unterjährig gute Investitions-Ideen mit Finanzmitteln zu dotieren und einem intensiven Benschmarking, das integraler Teil u.a. des Performance Managements geworden ist (dies bedeutet auch, dass bei Borealis relative Ziele auf Basis von Benchmarks definiert werden – und keine absoluten Ziele).

Auch als die österreichische OMV 1998 als Miteigentümer bei Borealis eingestiegen ist und für die eigene Konzernsteuerung so etwas wie ein Budget verlangt hat, hat man eine pragmatische Lösung in Form des rollierenden Business Plans gefunden, der für die nächsten drei, und für die nächsten 10 Jahre einen Finanzplan liefert, den die OMV konsolidieren kann, der aber mit den anderen „Beyond Budgeting Tools“ des Unternehmens eng integriert ist, um auch das Management dieser Finanzpläne im Rahmen der Beyond Budgeting Instrumente sicher zu stellen.

Siehe auch die Podiumsdisskussion mit Dr. Rainer Gunz, Steve Morlidge von Unilever und Jean-Daniel Luthi von Nestlé unter http://www.beyondbudgeting.de/articles/Pod_Disk_beyond_budgeting.pdf

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Forum 2: Beyond Budgeting at Unilever: an Implementation Case Study – Vortrag von Steve Morlidge, Unilever

Steve Morldige, Projektleiter des sogenannten Dynamic Performance Management Projektes (das Beyond Budgeting Projekt der Unilever Gruppe), stellte die Ziele seines Projektes vor:

A. Flexibler werden (wir müssen auf unvorhergesehen Chancen und Risiken reagieren können)

 

 

 

 

 

,

 
B. Kontinuierlich (Rechnungswesenperioden sind künstlich. Unsere Steuerungsprozesse müssen kontinuierlich erfolgen – entsprechend der durch die jeweilige Entscheidung benötigte Vorlaufzeit)

C. Verbesserung gegenüber dem Wettbewerb (um Wert zu schaffen, müssen wir unsere eigen Performance der Vergangenheit und die des Wettbewerbs schlagen. Ziele sollen deshalb ein Benchmark oder ein Performance-Standard sein – nicht eine fixes finanzielles Ziel oder ein Quote)

Die Umsetzung erfordert ein Redesing sowohl des gesamten Performance Measurement Systems inklusive der Planung, des Investment Managements, des Zielvereinbarungsprozesses, des Performance Measurements, des Incentive/Bonus-Systems und der zugehörigen Koordinationsprozesse – und zwar auf Basis eines ganzheitlichen, systemischen Ansatzes.

Die Umsetzungstrategie bei Unilever ist eine Phasenstrategie:

1. In Phase I geht es darum, mehr Flexibilität in der Steuerung zu erlangen (Szenario-basiertes Forecasting, einheitliche Planungsannahmen, kontinuierliche Aktualisierung des Forecast-Gaps)

2. In Phase II geht es um die Erhöhung der „Responsiveness“ und um das Mangement des Gesamtportfolios aller Aktivitäten (klares Aufzeigen noch „offener Optionen“ ...)

3. In Phase III geht es um die Kontinuität und um ambitionierte Ziele (Planungshorizont flexibel/kontextbezogen = abhängig von der notwendigen Vorlaufzeit für Entscheidungen; Mehrperioden „Stretched Targets“)

4. In Phase IV geht es um die externe Orientierung (laufende Benchmarking, relative Ziele)

Steve Morlidge’s Fazit:Transformations-Ansatz oder evolutionärer Ansatz: das ist vollkommen gleich. Es ist auf jeden Fall in einem großen Unternehmen immer ein „Big Change Project“. Ansetzen sollte man zunächst einmal da, wo es derzeit „weh tut“ („unhappyness is needed“). Dann benötigt man eine einfache Kommunikation („simple messages“) und „a deep personal commitment is required from the project leader“.

Den Vortrag von Steve Morlidge finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/morlidge.pdf

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Forum 3: Steuerung und Erfolgsmessung ohne fixe Zielvorgaben bei der UBS AG – Vortrag von Werner Kemke, UBS

Bei der UBS, Geschäftsbereich Wealth Management (Vermögensverwaltung) hat man sich für den Big Bang-Ansatz und eine schnelle Umsetzung entschieden. Also: Neuausrichtung der Organisation und Implementierung eines neuen Performance Management Framework das zum neuen Management-Konzept besser passt, als das starre und „defensive“ Jahresbudget.

Während die letzten Jahre, seit dem Einbruch der Aktienbörsen im Jahre 2000, für das Vermögensverwaltungsgeschäft eher schwierig war (das Geschäft und das Geschäftsvolumen war rückläufig, der Managementfokus lag auf der Kostenreduktion) sieht man nun wieder Wachstumschancen. Damit wurde klar, dass der bisherige Management-Fokus auf das Kostenmanagement und damit aufs Budget kein Modell für die Zukunft sein kann.  Was man nun benötigt ist ein Fokus auf Wachstum und das bedeutet: mehr unternehmerisches Denken seitens aller Mitarbeiter und Manager.

Da man die Budgetsteuerung jedoch als rein defensives Instrument ansah, beschloss das Management des Geschäftsbereichs, dass auch das Performance Management System einer Überholung Bedarf: damit die Vision einer agilen, unternehmerisch agierenden Organisation Wirklichkeit werden kann, muss auch das Steuerungssystem einem Redesign unterzogen werden. Und das hieß: weg von rein internen Budgetzielen zu klaren an die Marktentwicklung gekoppelten Zielvereinbarungen für jeden und weg wom Soll/Ist-Vergleich und hin zum Ist-/Ist-Vergleich (Vorjahr, externer Benchmark),

Das neue Performance Management Framework von UBS Wealth Management basiert auf drei Elementen:

-          Strategische Steuerung: Top Down Business Plan Prozesss (mittelfristig und high level)

-          Operative Steuerung: Rolling Forecast und Forecast/Ziel-Vergleich

-          Performance Measurement:  Ist-/Ist-Vergleich auf Basis von Vorjahr und Benchmarks; Einführung relativer (kombinierter) KPIs unterschieden nach den Kategorien „Wachstum“, „Profitabilität“ und „Produktivität“

Fazit: Das neue Performance Management Framework bei UBS WM, das die klassische Budgetsteuerung ersetzt, zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

-          Keine fixen Ziele

-          Entlohnung vom Budget entkoppelt

-          Fokus auf Wachstum – aber gleichzeitig Kostenkontrolle durch Benchmarks und relative KPIs

-          Das Empowerment der Mitarbeiter steht im Vordergrund: sie sollen ihr volles Potential fürs Unternehmen einbringen können.

Siehe dazu auch den im Handelsblatt am 05.07.2005 erschienen Artikel „UBS schafft das Budget ab“ unter http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1063993  

Den Vortrag von Werner Kemke finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/kemke.pdf

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Forum 4: Beyond Budgeting bei Boots Healthcare International – Vortrag von Matthias Steinke, Boots/BHI Deutschland

Bei BHI, ein Geschäftsbereich der englischen Boots-Gruppe, hat  man die Unternehmenssteuerung auf Basis fester Jahresbudgets durch einen sehr flexiblen Steuerungsprozess ersetzt, der den Geschäftsbereich in die Lage versetzt, die Dynamik des Umfeldes besser in den Griff zu bekommen, also Risiken zu begrenzen und Chancen gezielt zu nutzen, um die Unternehmensziele doch noch zu erreichen, auch wenn die Dinge sich anders entwickeln als ursprünglich geplant. Wie funktioniert das Boots/BHI Steuerungssystem?

 

BHI hat einen so genannten „Performance Contract“ mit der Boots Gruppe auf der Basis weniger Schlüsselkennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) wie Sales, Profit, Cash-flow, Economic Profit und Value (auf Basis einer Discounted Cash-flow-Berechnung) für die nächsten 5 Jahre. Die Ziele werden jährlich aktualisiert. BHI hat sich damit zum Erreichen weniger finanzieller Zielgrößen verpflichtet, ist aber, was die entsprechenden Spartenstrategie und die operativen Maßnahmen betrifft, weitgehend autark.

Die operative Steuerung findet dezentral auf regionaler Ebene statt. Dabei arbeiten die so genannten strategischen Profit Center (SPCs) der gesamten Region – das sind die Vermarktungseinheiten auf Landesebene – teamorientiert zusammen, um das Gesamtziel zu erreichen. In der Region Nord, die Länder wie Deutschland, die Niederlande aber auch Polen umfasst, wird zu Beginn des Geschäftsjahres ein Budget erstellt, was bei BHI nichts anderes als ein erster (vorläufiger) operativer Plan darstellt. Sobald die darin niedergelegten Annahmen überholt sind, also sobald sich eine neue Chance oder Bedrohung lokal auf SPC-Ebene ergibt, schiebt dies einen neuen Forecast für die Gesamtregion an. Alle SPC-Leiter erhalten die neuen Forecastzahlen und denken über Korrektur- und Anpassungsmaßnahmen nach. Der so genannte Trade-off-Prozess beginnt. Wenn etwa die erwartete Grippewelle in Polen ausbleibt und damit der geplante Absatz von Halsschmerztabletten und damit der entsprechende Umsatz gefährdet ist, wird über die gesamte Region hinweg darüber nachgedacht, über welche Ausgleichsoptionen das Unternehmen verfügt. Soll in den Niederlanden über eine zusätzliche Fernsehwerbung der Verkauf eines neuen Produktes schneller angekurbelt werden, als ursprünglich geplant, oder soll in Deutschland durch einen so genannten Trade-Load, bei dem der Handel zur Abnahme höherer Stückzahlen animiert wird, Umsatz aus der nächsten Periode vorgezogen werden? Wie auch entschieden wird, die Pläne werden entsprechend angepasst und im Falle des „Trade-Loads“ wird dem deutschen Profit-Center-Leiter der vorgezogenen Umsatz in der nächsten Periode gutgeschrieben (was dann möglicherweise wiederum zu einem Trade-off-Prozess führt).

Die Zielerreichung wird also laufend hinterfragt, es erfolgen kontinuierlich Anpassungsmaßnahmen über die Region hinweg. Dazu finden regelmäßig Managementmeetings statt, wo auf Basis der aktuellen Zahlen Chancen und Risiken diskutiert und über neue Maßnahmen und Maßnahmenanpassungen entscheiden werden. Aus dem beschriebenen Verfahren geht deutlich hervor, dass das Steuerungssystem bei Boots mit einem hohen Kommunikationsbedarf verbunden ist. Damit die Kommunikation effizient erfolgen kann, ist eine entsprechende Transparenz erforderlich. Alle SPCs müssen deshalb nicht nur die Monats-, sondern bei Bedarf auch Tages- und Wochenzahlen offen legen.

Das Ergebnis lässt sich jedoch sehen: Nach Ansicht von BHI sind durch die hohe Flexibilität bei der Unternehmenssteuerung die Gesamtziele der Gruppe einfacher zu erreichen, da

-          ständig die Transparenz über die Gesamtregion gegeben ist,

-          Reserven im Gegensatz zur traditionellen Budgetmentalität „herausgerückt“ werden, wenn diese an anderer Stelle produktiver eingesetzt werden können und

-          lokale „Überraschungen“ nicht auftreten, die die Zielerreichung der Gruppe insgesamt gefährden können.

Lesen Sie hier das Interview mit Matthias Steinke, CFO von BHI Deutschland unter http://www.juergendaum.de/news/04_30_2005_d.htm

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Podiumsdiskussion: Beyond Budgeting – What is its purpose and how to make it work? (Moderation: Jürgen H. Daum)

 

Mit den Referenten des ersten Tages des Beyond Budgeting Summit 2005 (außer Steve Morlidge, der vorher abreisen musste) diskutierte Jürgen H. Daum folgende Fragen:

-          What is Beyond Budgeting? Why Beyond Budgeting?

-          Moving to Beyond Budgeting: what is the right approach?

-          What is your vision for the future of the Enterprise Performance Management/controlling 
practice? Where will be the common practice in 10 years?

Bei der ersten Frage waren sich alle Teilnehmer weitgehend einnige, dass es sich bei BB um ein Management-Modell handelt, das einen systemischen Ansatz, also die Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte gleichzeitig erfordert (Planung, Performance Measurement, Incentive-System, Unternehmens-/Managementkultur...). Man war sich auch einig, warum Firmen über so etwas nachdenken: um produktiver zu werden, ihre Performance zu verbessern.

Kontrovers ging es bei der Diskussion der zweiten Frage zu. Man war sich zwar beim Ziel und Zweck einige (s. Frage 1), über den Weg dahin gingen die Meinungen auseinander. Alle waren sich einig, dass die Umsetzung in Schritten erfolgen muss. Eine Divergenz der Meinungen gab es aber beim Umfang der notwenigen Transformation: die eine Gruppe ist der Meinung, dass erst „nur“ das Controllingsystem verändert werden sollte, die anderen sind überzeugt, dass gleich  von Anfang an das gesamte Management-Modell inkl. Führungssystem einer Neugestaltung unterworfen werden muss. Lennart Francke gab zum Schluss ein interessantes Statement ab: er sagte, dass jedes Unternehmen für sich individuell eine strategische Entscheidung treffen muss: entweder ein evolutionäres Vorgehen (das ist dann eher etwas, was vom CFO alleine initiiert und verfolgt werden kann) oder die „Revolution“, also den radikalen Transformations-Ansatz (das ist dann klar ein Thema für die Eigentümer, den Aufsichtsrat und den CEO).

Bei der dritten Frage war man sich wieder einig: Hier waren sich die Teilnehmer wieder einig: "We will see more Beyond Budgeting in the future (more decentralization, enterprise networks ... but also more flexible controlling systems that integrate strategy management with short term "dynamic" performance management), because companies are facing a much more challenging and competitive environement". Das bedeutet auch, dass man die klassische Rolle des Controllers (Zahlenaufbereiter) immer weniger in den Unternehmen finden wird, sondern mehr Controller, die als Business Partner und interne Berater agieren werden.

Die Diskussion wird voraussichtlich veröffentlicht und dann an dieser Stelle per Link zur Verfügung stehen.

In der Diskussion:

 

     Lennart Francke                                             Robin Fraser                                            Niels Pfläging

 


 

Die Vorträge – Key Notes Tag 2 (9. Juni 2005)

 

Effektive Unternehmenssteuerung ohne Budgets? Fazit aus den Erfahrungen der Beyond Budgeting Pioniere und Zukunftsperspektiven für die Neuandwender – Vortrag von Jürgen H. Daum

Nach einer kurzen Zusammenfassung der Vorträge des ersten Tages  präsentierte Jürgen H. Daum seine Definition von „effektiver Unternehmenssteuerung“:

-          Orientierung am Bedarf des internen Kunden (der Manager)

-          Orientierung an den Stakeholdern des Kunden (dessen Kunden, Anteilseigner etc.)

-         Mit dem Ziel, die Manager und das Unternehmen als ganzes in die Lage zu versetzen, Ihre Ziele sicherer und einfacher zu erreichen

Es folgte eine kurze Zusammenfassung, was die CEOs heute bewegt: Wachstum und Agilität herzustellen und eine dafür geeignete Organisation zu schaffen.  Und die Controllingsysteme müssen diese Transformation unterstützen.  Dies ist letztlich der „Case for Change“ für Beyond Budgeting.

Darauf prädentierte er sein Fazit aus den Erfahrungen der Beyond-Budgeting-Pioniere sowie mögliche Zukunftsperspektiven für Neuanwender. Aus seiner Sicht konkurrieren bei der Realisierung zwei scheinbar unterschiedliche Ansätze – zum einen fundamentale Verbesserungen des Führungsmodells (radikaler Transformations-Ansatz), zum anderen Verbesserungen am Steuerungssystem (Better oder Advanced Budgeting). Während im ersten Fall Verhaltens- und Kulturaspekte und die Organisation im Vordergrund stehen, dominieren im letzteren Fall wirtschaftsrationale und controllingtechnische Aspekte. In beiden Fällen sind aber jeweils beide Bereiche zu adressieren, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Denn auch bei der Neugestaltung des Controllingsystems ist ein professionelles Change Management erforderlich, wie die Erfahrung zeigt.

Diesen Vortrag von Jürgen H. Daum finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/Daum_Vortrag_Tag2.pdf

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Controlling bei ALDI: keine Budgets, keine Controller – Vortrag von Dieter Brandes, ehemals ALDI Nord

 

Den wohl provokantesten aber auch Nachdenken provozierenden Vortrag des Kongress hielt Dieter Brandes. Nach Brandes haben Unternehmen heute vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen:

-          Ständig zunehmende Komplexität

-         Organisierte Verantwortungslosigkeit

Und beides bedingt sich gegenseitig. Um dieses Problems Herr zu werden

-          Klarheit über Sinn und Ziele

-          Klarheit über Verantwortung und

-         Konsequente Komplexitätsreduktion und Vereinfachung

Benötigt. Ein Beispiel für ein Unternehmen, dass dies beherrscht, ist ALDI. Das „System ALDI“ basiert auf einer Unternehmenskultur der Einfachheit:

-          Klare Ziele

-          Konzentration

-          Konsequenz

-         Details

Und zwar in dieser Reihenfolge.

Bei ALDI wird auf alles überflüssige konsequent verzichtet – z.B. auf Stabstellen wie das Controlling. Denn die Manager sind selbst für ihre Zahlen verantwortlich und von dieser Verantwortung sollen sie nicht vermeintlich durch die Existenz einer Stabstelle, die dafür zuständig ist, entbunden werden und sich dahinter verstecken können. Stattdessen baut man bei ALDI auf gesunden Menschenverstand, wenige, aber sinnvolle Zahlen und keine Budgets!

Denn: „„Budgets sind als Steuerungs- und Kontrollinstrument ungeeignet. [...] Die Maßnahmen eines ganzen Jahres sollten [...] nicht in wenigen Wochen in allen Details voraus bedacht werden. Das ist tägliche Arbeit und nicht Aufgabe eines Kraftaktes im Herbst für das Folgejahr,“ so Brandes in seinem Beitrag zum Tagungsband von Jürgen H. Daum (siehe dazu die Buchseite)

Jeder Manager soll sein eigener Controller sein. Er analysiert, interpretiert und bewertet. Wie macht man es richtig?:

Komplexität vermeinden: mit Klarheit und Verzicht

Komplexität reduzieren: mit Klarheit und Verzicht

Komplexität beherrschen: mit Organisation

Richtig ist: was notwendig und sinnvoll ist

Falsch: tun, was möglich ist („nice to have“).

Nach diesen Ausführungen stellt Dieter Brandes and die Teilnehmer die Frage, weshalb sie ihre Budgets nicht einfach abschaffen. Die meisten üblicherweise genannten Gründe fasst er wie folgt zusammen:

Angst: denn diese ist Komplexitätstreiber Nummer 1

Moderne Managementtheorien

High Potentials sichern ihr Revier

Sein Fazit: Controlling ist Chefsache und Budgets sind nutzlos.

Den Vortrag von Dieter Brandes finden Sie unter http://www.beyondbudgeting.de/events/bb_summit2005_marterial/brandes.pdf

Buchbesprechung: "Alles Unter Kontrolle" von Dieter Brandes 

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Bericht wird demnächst fortgesetzt !

 

 

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